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Pfarrkirche

Die Zewener Pfarrkirche ist eine sehr junge Kirche. Im Jahre 1957 wurde der Grundstein gelegt, und 1959 wurde die Kirche eingeweiht. Dennoch - oder gerade deswegen - können die Zewener Bürger sehr stolz auf ihre Kirche sein, denn ohne sie würde sie heute wohl kaum in ihrer jetzigen Form stehen.


In den fünfziger Jahren war Zewen gewachsen, und die alte Pfarrkirche in der Kirchenstraße war bereits seit längerem zu klein geworden. Inmitten des Ortes gelegen, hatte sich das Dorf um die Kirche herum positioniert; eine Erweiterung war vollkommen ausgeschlossen. Daher wurde 1955 mit der Planung zum Bau der neuen Kirche in der Lindscheidstraße begonnen. Am 23.06.1957 wurde der Grundstein für die neue Kirche gelegt, und die Bauarbeiten begannen.

Über das zukünftige Aussehen waren die Zewener Bürger doch irritiert, da es doch von den üblichen Vorstellungen über eine Kirche abwich. Das Kirchenschiff ist breit gehalten, um möglichst vielen Gläubigen die Möglichkeit zu geben, sich um den Altarraum zu gruppieren.
Um den Altar wirklich zum Mittelpunkt zu machen, sind die Seitenwände fensterlos; nur über die Lichtlaterne über dem Altar und über die Westwand her dringt Licht in den Kirchenraum; der Altarraum wird zum hellsten Punkt im Gebäude. Ein Glockenturm fehlt (zunächst).

Im Jahre 1959 konnte der Bau eingeweiht werden. Dass dies so schnell und so reibungslos möglich war, ist auch der Opferbereitschaft der Zewener Bürger zu verdanken, die bis zu 150.000 Mark bei Haussammlungen spendeten. Daher kann man wirklich sagen: dies ist ein Zewener Gotteshaus.

Zewener Pfarrkirchen: gestern, heute und morgen


Es war allerdings nicht das erste Gotteshaus, das den Namen des Heiligen Martin in Zewen trug. Seit spätestens 1805, laut Recherchen von Georg Fusenig bereits Jahrhunderte vorher, ist Zewen eine eigenständige Pfarrei, die allerdings vom Domkapitell mit Priestern versorgt wurde. Im Jahre 1330 wurde erstmals eine Kirche in Zewen erwähnt. Der Standort dieser erste Zewener Pfarrkirche war die heute noch erhaltene Sandsteinmauer am oberen Ende der Kirchenstraße, inmitten des damals dort oben gelegenen Friedhofs. Auf einer entsprechende Lage inmitten des örtlichen Friedhofes auf einer Anhöhe wurden auch die mittelalterlichen Kirchen der Nachbargemeinden Igel (erhalten) und Euren (abgerissen 1875) errichtet, ein gegenseitiger Einfluss ist anzunehmen. Im Gegensatz zu diesen Kirchen sind detaillierte Beschreibungen oder Abbildungen der ersten Zewener Kirche rar; das einzige Bildnis dieser Kirche stammt von dem Trierer Gerichtsbild, das im Jahre 1589 im Auftrag des Trierer Kurfürsten Johann von Schöneberg gemalt wurde und im Museum Simeonstift Trier hängt. Folgt man dieser Abbildung, handelte sich um eine einschiffige Kirche mit einem sehr spitz zulaufenden Vierungsturm.


Nach ihrer letzten Reparatur 1777 wurde die Kirche für die immer schneller wachsende Gemeinde zu klein und mehr und mehr dem Verfall überlassen. Als Zewen 1805 einen eigenen Pfarrer bekam, schloss man immer mehr mit der alten Kirche ab und baute 1818/1819 eine neue Kirche gegenüber dem Pfarrhaus. Die alte Kirche riss man ab und ebnete den Grund ein, um Platz für neue Gräber zu schaffen. Der Chor der alten Kirche stand noch mannshoch unter Gestrüpp bis zum Jahre 1823.

Für die zweite Kirche nahmen die Zewener erhebliche Eigenleistung auf sich. Große Mengen Hau- und Bausteine wurden herangeschafft, der Schiefer wurde aus der Grube zu Fell herangefahren; 25 Tannen stammten aus dem Gemeindewald. Aufgrund dieser Opferbereitschaft stand die Kirche bereits nach fast einem Jahr. Die Komplettierung der Inneneinrichtung dauerte länger. Aus der Jesuitenkirche Trier erhielt man bereits zur Konsekration eine wertvolle Holzkanzel sowie eine Kommunionbank, ebenfalls zur Konsekration wurde ein Taufstein aufgestellt, der noch heute seinen Dienst verrichtet. Der Hochaltar wurde 1854 aufgestellt, die Wandmalereien im Chorraum wurden auf ihn abgestimmt. 1931 wurde dann das letzte Mosaikstück eingebaut: eine neue Orgel, welche die Zewener ebenfalls durch Spenden mitfinanzieren halfen.

Am 13. Januar 1945 ging eine Luftmine auf dem Kirchenschiff nieder, und Dach und Decke stürzten ein. Hochaltar, Kanzel, Kommunionbank, Seitenaltäre und die neue Orgel wurden vollkommen zerstört. Man richtete die Kirche notdürftig - und entsprechend schmucklos - in den Nachkriegsjahren wieder her, doch schließlich ereilte sie dasselbe Schicksal wie ihre Vorgängerin: sie war zu klein für den immer schneller wachsenden Ort geworden, und konnte nicht erweitert werden. Nachdem sie 1959 durch ihre Nachfolgerin in der Lindscheidstraße abgelöst worden war, stand sie leer, lediglich ihr Turm diente noch als Glockenturm. Nachdem ein Wassergraben 1963 den Chor zum Einsturz brachte, wurde die ehemalige Kirche zum Sicherheitsrisiko; der Umbau zum Pfarrheim scheiterte an Geld und Interesse. Am 02. Mai 1975, 156 Jahre nach ihrem ersten Einsatz, läuteten die Glocken zum letzten Mal vom alten Kirchturm. Wenige Wochen später hatten Bagger und Presslufthammer nur noch einen leeren Platz, den "Alten Kirchplatz", hinterlassen, den nach und nach die Automobile für sich eroberten. Erst 1998 wurde der alten Kirche mit einem Gedenkstein gedacht.


Die aktuelle Kirche


1976 hatte auch die neue Kirche mit Problemen zu kämpfen: Mitten im Winter fiel die Heizung aus, und es musste eine neue Heizungsanlage installiert werden. Man verkleidete gleichzeitig mit dem Heizungsbau auch die Innenwände, welche kalt und weiß gewesen waren, mit braunen Ziegeln. Der Altarraum wurde mit weißem Marmor gestaltet, eine überlebensgroße Kreuzigungsgruppe wurde im Chorraum aufgestellt, ein neuer Tabernakel wurde angeschafft und ein neues Fenster wurde in die Südwand gebrochen. Ein neuer Ständer für die Osterkerze wurde ebenso angeschafft wie ein optisch sich von den Messdienerbänken abhebender Priestersitz und ein neuer Ambo. 1982 wurde eine neue Orgel angeschafft, eine der größeren des Stadtgebiets. Der letzte Schritt zum Umbau der Kirche erfolgte 1986. Bereits 1978 hatte man einen provisorischen Glockenstuhl auf der Pfarrwiese aufgestellt, in welchem die drei Glocken nunmehr läuteten, doch konnte dies keine Dauerlösung sein. 1986 errichtete man dann den lange geplanten und auch lange gewünschten Campanile, einen freistehenden, 30 Meter hohen Glockenturm, der sich harmonisch in das Gesamtbauwerk einfügte.


Damit war die fast dreißigjährige Bautätigkeit an der Zewener Pfarrkirche abgeschlossen. Möge sie, was ihren Vorgängern versagt blieb, stets nur Frieden erleben und lange fortbestehen!

Quelle:
"St. Martinus, Trier-Zewen. Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde" von Georg Fusenig, Trier 2009.
Festschrift "Neuer Glockenturm, St. Martinus, Trier-Zewen", 1986.
Archiv der Pfarrei St. Martinus, Trier-Zewen.

Zusammenfassung:
Josef Plein, Mai 2010.